08 September, 2006

Zum Glück besucht der Papst München - und nicht Stuttgart

Aber die Münchner wissen sich zum Glück auch zu wehren. Zumindest der Aktionskünstler Wolfgang Kastner (Photo: B.F.G. München). Um darauf aufmerksam zu machen, dass das Reichskonkordat von 1933 immer noch Gültigkeit hat, zog er als Papst verkleidet durch die Münchner Innenstadt. Die Nähe zur NS symbolisierte er durch einen Schauspieler, der als Hitler verkleidet war. Dass die Münchner Polizei sich dazu so verhielt, als stehe sie unter dem Befehl des Mannes mit dem Bärtchen fällt dann allerdings unter die Kategorie: Nicht Lustig. Laut der Zeitung Junge Welt wurde ein Flugblattverteiler zu Boden geworfen und in Handschellen abgeführt. Zudem wurde versucht die Aktion als unangemeldete Versammlung einzustufen, um sie auflösen zu können. Interessanterweise ist eine Versammlung erst dann eine solche, wenn drei Personen an ihr Teilnehmen. Zu den Papstschutzverrücktheiten schreibt unter anderem der Blogger SoWhy. Die Süddeutsche Zeitung berichtet unterdessen von einem "Kniff", der es den Beamten ermöglichen soll möglichst früh bei möglichen Beleidigungen des Papstes einschreiten zu können. Hierzu wird der Papst als Staatsoberhaupt des Vatikanstaats eingestuft. Staatsoberhäupter genießen einen größeren Schutz als Normalbürger und auch als ein Kirchenoberhaupt. Jetzt ist sein Staat aber eigentlich gar kein richtiger Staat, und er kommt nicht in seiner Funktion als Staatsoberhaupt nach München. Mit anderen Worten: Bayerns Polizei erlaubt sich einen Schlenker, um dem eigenen (?) Glauben treuer sein zu können. Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer kündigte ein rigoroses Vorgehen gegen Beleidigungen des Papstes an. Mit welcher Begründung eigentlich? Auf jeden Fall führt die harte Haltung der Polizei zu Stilblüten wie beim Christopher Streetday. Dort ließ sie eine mit Kondomen geschmückte Papstpuppe von einem Wagen entfernen. Man sieht, von einer aufgeklärten und säkularisierten Gesellschaft ist man in München noch weit entfernt. Zumindest wenn der Papst kommt.
Doch es gibt noch mehr Münchner, die sich wehren. So hat die Rosa Liste München zu einer Demo am Vortag aufgerufen, und auch die sozialistische deutsche Arbeiterjugend hat eine Protestaktion angekündigt. Der Münchner Merkur berichtet unterdessen, dass auch von Seiten der SPD Kritik an dem Kirchenoberhaupt geübt wird. Die antischwulen und antilesbischen Äusserungen des Papstes seien zutiefst "menschenverachtend", so Adelheid Rupp (MdL Bayern). Ausserdem vertrete die Kirche eine "mittelalterliche" Sexualmoral (Pressemitteilung).

So viel staatlich-kirchliches Mischmasch braucht Gegenpole. Hiermit erkläre ich diesen Blog zur Religionsfreien Zone:





Wer stattdessen lieber was sinnvolles macht, kann hier eine Petition zur Gleichstellung von Schwulen und Lesben unterschreiben. Allerdings nur noch heute.

Update: Auch Claudia Roth kritisiert den Papst (Spiegel Online)

Linkliste:
- Ein falscher Nuntius in der Fußgängerzone (SZ)
- Benedikt XVI - Ein beleidigtes Staatsoberhaupt (SZ)
- Papstschutzverücktheiten (SoWhy)
- Eine Stadt macht Papa-Mobil (TP)
- Papst und Hitler abgeführt (JW)
- Papstbesuch: In den Jubel mischt sich Kritik (Merkur)
- Erinnerung an die Papst-Demo (Rosa Liste)
- Petition (nur noch Heute)
- Pressemitteilung von Adelheid Rupp

2 Comments:

Anonymous SoWhy said...

Die PM findest du auf Adelheids persönlicher Homepage: http://www.adelheid-rupp.de/pressemeldung.html?&tx_ttnews[tt_news]=11&tx_ttnews[backPid]=62&cHash=3f21c7c86c

10/9/06 12:55  
Blogger G. said...

Danke! Frage mich wieso ich die da übersehen habe... Egal...

10/9/06 14:26  

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