14 April, 2006

Das Kulturmonopol, Identität und was von deutschsprachiger Literatur übrigbleibt

Nicht nur durch die Verschlankung der produzierenden Strukturen - die großen Verlage schlucken die kleinen - verkleinert sich das Angebot an variierenden kulturellen Produkten. Dazu kommt, dass wir in den Zeiten der Globalisierung immer mehr dazu übergehen, Kultur zu importieren. Filme kommen aus Hollywood, Bücher werden von Dan Brown, Ken Follett oder J.K. Rowling geschrieben. Selbstverständlich trifft dieser Aspekt hauptsächlich auf die Popularkultur zu. Klassischerweise wäre das Kulturmonopol, das den deutschen Literaturkonsum bestimmt, innerhalb Deutschlands zu suchen, wobei die Produktionsvorgänge für Literatur eigebettet in den russischen, europäischen und nordamerikanischen Strömungszusammenhang gesehen werden müssen. Doch der deutsche Konsument verlagert es immer mehr nach Aussen. Heutzutage regiert bei ihm ein verklärtes Bild. Er ist affektiert von dem Klang ungewohnter Namen und greift nicht zum Buch von Eva Müller. Nüchtern betrachtet könnte dieses Buch den gleichen literarischen Wert für ihn haben, wie das von Dan Brown, doch der Wunsch nach Identität, und er identifiziert sich lieber als jemanden der Dan Brown liest, als jemanden der ein Buch von Eva Müller gelesen hat, zwingt ihn dazu, das fremde Produkt zu favorisieren. Die großen Verlage in Deutschland übernehmen lieber Inhalte, die sich bereits auf anderen Märkten durchgesetzt haben, da sie das als Erfolgsgarantie ansehen können. Das Manuskript von Eva Müller bleibt meistens schon beim Lektor hängen. Ungern lass ich hier noch einmal die Leier vom nichtrassistischen, aber trotzdem bewussten deutsch Sein vom Stapel, aber es scheint mir ein signifikanter Grund dafür, weswegen die deutsche Popularkultur immer mehr in den Hintergrund gerät. Natürlich gibt es Kulturzweige auf die das nicht zutrifft, beispielsweise den deutschsprachigen HipHop oder deutschsprachige Rockmusik. Doch der massenhafte Kulturimport, hierbei geht es nicht um kulturellen Austausch, der begrüssenswert wäre, erstickt die Produktion innerhalb Deutschlands. Der kulturelle Austausch wird immer einseitiger, bis schließlich des Monopol auswärts liegen wird.

Statt sich mit diesem Problem zu beschäftigen, beschäftigen sich die deutschen Literaten und Literaturkritiker allerdings lieber damit sich gegenseitig zu zerfleischen. Spiegel-online berichtet im Artikel Lichtjahre auseinander vom Streit der Literaturkritiker über das Buch "Lichtjahre" von Volker Weidermann. der Untertitel: "Eine kurze Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis heute" gibt wieder was das Ziel des Buches ist. Ihm wird vorgeworfen, bei dem Versuch einen Einblick in die Literatur der letzten 60 Jahre geben zu wollen, versagt zu haben. Er sei zu oberflächlich, zu leidenschaftlich an die Literaturkritik herangegangen. Statt ihm anzurechnen, dass er Interesse für die deutsche Literatur wecken will, werden ihm Begriffe wie "Stadionberichte aus dem literarischen Leben"(Winkels, Redakteur der Zeit) an den Kopf geworfen.
Das Image der Literatur sollte selbstverständlich nicht in wissenschaftlichen Arbeiten gepflegt werden, aber ein Buch, dass ein zentrales Problem anzugehen versucht, mit polemischen Angriffen zu kritisieren, kann sicher nicht der richtige Weg sein. Berechtigte Kritik hin oder her.

09 April, 2006

Das Äffchen und das Ei


Nachdem das auf vimeo bei vielen nicht ging, probier ich jetzt mal wie es über youtube so läuft. Das Format hat es leider ein bisschen verrissen, aber bei vimeo kann man es ja immer noch downloaden.


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07 April, 2006

Traurig, Traurig

Die Vucciria, über die ich bereits geschrieben habe (Vucciria - Palermo) soll dem Erdboden gleichgemacht werden. Ein einmaliger Platz weniger... Bericht von guide2sicilly.

06 April, 2006

Ein Jeder kehr vor seiner Tür...

Es gibt da ein Land, dessen Namen ich hier etwas verschleiern will und nur seine Initialen benutzen: U.S.A., die (weiblich, da Endung auf a). Dieser Staat hat es mal wieder geschafft sich in etwas einzumischen was ihn nichts angeht. Ich möchte an dieser Stelle an den Vorschlag ihres Verteidigungsministers erinnern, der den Deutschen den Militärhaushalt diktieren wollte. Diesmal geht es um die Integrationspolitik von ganz Europa. Zum Glück ist diese ja in allen Mitgliedsstaaten der EU exakt gleich, weswegen man sie ja auch pauschal attackieren kann. Laut einem Artikel von Spiegel-Online haben die meißten europäischen Länder, im Gegensatz zur U.S.A, es versäumt eine bewusste Integration zu verfolgen, was Nährboden für extremistisches Gedankengut liefere. Die Argumentation läuft so, dass die Nachkommen muslimischer Einwanderer in Europa immer noch als Ausländer behandelt werden, diese deswegen der Arbeitslosigkeit und der Diskriminierung ausgesetzt und darum leichte Beute für Extremisten seien. Ich würde gerne mal einen jungen Schwarzen aus dem Stadtteil H. in N.Y., dessen Vorfahren vor 300 Jahren mit dem Schiff gekommen sind fragen, ob er sich integriert fühle. Es geht mir nicht darum der U.S.A. vorzuwerfen was vor hunderten von Jahren geschehen ist. Ich möchte sie nur der Euphorie ihrer gelungen Integrationspolitik berauben, die man auch sehr gut an der Süd-Grenze zu M. beobachten kann. Ein Land, dessen Regierung glauben machen möchte, dass der Nährboden für Extremismus eine schlechte Integrationspolitik ist, und nicht das Bombardement der Heimatstädte der Muslime, erweckt in seiner Kritik den Anschein als halte es jeden Moslem für einen potenziellen Extremisten. Und diese Haltung soll einer erfolgreichen Integration förderlich gewesen sein.
Desweiteren sei es so, dass viele Extremisten die Meinungsfreiheit in europäischen Ländern nutzen, um ihre Botschaft zu verbreiten. Was hat Europa hier zu verstehen? Das Land zu dessen großen Errungenschaften die Freedom of Speech gehörte will darauf hinweisen, dass man die Meinungsfreiheit einschränken soll?
Eine mangelhafte Integrationspolitik ist bestimmt Ursache für viele soziale Missstände, doch fanatischer religiöser Hass hat andere Ursachen. Wäre eine mangelhafte Integrationspolitik der Grund für Extremismus, so müsste die U.S.A. überzogen sein mit den Spuren von Anschlägen von Hispanisten, Cineoisten, Blackisten, Indianisten usw. usf.
Es geht hier nicht darum die Versäumnisse der deutschen Integrationspolitik zu beschönigen, doch ein Staat, der mit dem Finger zeigt sollte schon Ergebnisse vorzuweisen haben, und nicht Rassenhass in N.O. nach dem Hurrican.
Es kommt mir so vor, als habe irgendein Mitglied der Regierung der U.S.A. einen Bericht über die Vorkommnisse an der Rütlischule gelesen und gemeint seinen Senf dazu abgeben zu müssen. Ungeachtet der Tatsache, dass die Zustände an amerikanischen Publicschools ungleich heftiger sind. Zum Schluss ein Zitat von Dieter Nuhr: Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal die Fresse halten.
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