05 Juni, 2006

Lasst euch keinen Bären aufbinden

Manchmal meint man, dass die Menschen aus der Geschichte lernen würden. Und wenn das nicht der Fall ist könnte man meinen, dass sie wenigstens aus Geschichten lernen. Doch von Anfang an. Pfingstsonntag vertreibt man sich in Stuttgart gerne die Zeit damit, durch den Schloßpark zu spatzieren. Am Eckensee stellt man dann fest, dass eine bekannte Schweizer Privatbank eine Terrasse im WM-Fussball-Look, in Stegform darauf gestellt hat. Freudig über die unerwartete Abwechslung entschließt man sich, die hohen Preise in Kauf zu nehmen (Rote 3.-€ Milchkaffe 3.-€)und erlebt die erste Enttäuschung als man eine Emaille-Tasse in die Hand bekommt, die mehr an das Trinkgefäß eines Soldaten des vorletzten Jahrhunderts erinnert. Man findet sich damit ab und begibt sich an einen Tisch. Just in dem Moment, in dem man sich setzen will, wird man von privaten Ordnungshütern angesprochen, dass man sich da nicht hinsetzen könne. Der Tisch sei Teil der VIP Lounge. Die VIP-Lounge verfügt über fünfzehn Tische. Gähnende Leere. Verbannt nimmt man seinen Zuschauerplatz beim Volk zweiter Klasse auf der Tribüne ein, wo man sich dem Geklimper eines Klavierspielers mit begrenztem Englischvokabular ausgesetzt sieht. Der öffentliche Raum des Eckensees wird privatisiert und wenn man nicht wichtig genug ist wird er einem vorenthalten. Man kann sich übrigens bei denen Einkaufen. Und zwar hier.
Die geschichtliche Zeit aus der man hätte lernen können? Ständegesellschaft des Mittelalters. Die Geschichte aus der man hätte lernen können? Wenn Leo nicht zu Kate darf, dann ist das traurig.


Irgendwie kann sich die Statue am Schloßplatz nicht dafür begeistern, was hinter ihrem Rücken geschieht.
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