17 April, 2008

Er spricht mit gespaltener Zunge – Wie Papst Benedikt XVI (aka Josef Ratzinger)die Moralkeule schwingt... und niemand (jemand) es bemerkt

Der weisse Mann kommt schon wieder und spricht mit gespaltener Zunge. „Ich komme als Freund und Prediger des Evangeliums mit großem Respekt für diese breite pluralistische Gesellschaft“. Die Reichweite dieses Lippenbekenntnisses jedoch ist kürzer als kurz. Denn wie F.A.Z. Online berichtet sagt er ebenso: „Eine Demokratie ohne Werte kann ihre eigene Seele verlieren“[...] nur der Glaube gebe den Menschen die Kraft, „für eine immer gerechtere und brüderliche Gesellschaft einzutreten“. Wenn er tatsächlich Respekt für eine pluralistische Gesellschaft hätte, müsste er dies anders formulieren. Der Glaube kann den Menschen die Kraft geben für eine gerechtere und brüderliche Welt einzustehen. Er ist aber nicht der einzige Ursprung aus dem sich moralische Prinzipien ableiten lassen.
Darüber hinaus grenzt es an religiöse Hybris, wenn der Anführer einer hierarchisch geordneten Struktur, die Demokratie für sich in Anspruch nimmt, und desweiteren behauptet, dass sie eine Seele besitze. Die Demokratie haben wir Menschen selbst geschaffen, daher hat sie keinen Anteil an einer metaphysischen Welt. Wenn Seelen aber per se metaphysischen Charakter haben, dann hat die Demokratie keine Seele. In diesem Zusammenhang kann es verwirren, dass der Demokratie keine ontologische Gültigkeit zukommt. Die Demokratie ist lediglich ein virtuelles Werkzeug, analog der Mathematik, jedoch zusätzlich dass effizienteste, das wir haben, um ein zufriedenstellendes, halbwegs gewaltfreies Miteinander zu gewährleisten. Die Demokratiefähigkeit des Vatikans und damit Josef Ratzingers lässt sich übrigens sehr schön am Fall der katholischen Universität Eichstätt ablesen. Dort wird dem demokratisch neu gewählten Direktor das Amt vorenthalten; Um es grob zu fassen ohne Begründung. Der grosse Vorenthalter ist der Vatikan, der seinen Seegen nicht geben will.
Eine weiter Folgerung aus den Äußerungen Josef Ratzingers, muss jeden Atheisten, tief in seiner metaphorischen Seele (in seinen Gefühlen) verletzen. Wenn Ratzinger behauptet, dass der Glaube der einzige Grund für den Menschen sei für eine gerechtere Welt einzutreten, dann behauptet er damit auch, dass Atheisten, die ja keinen Glauben haben, nicht für eine gerechtere Welt eintreten können. Ich werde an dieser Stelle den Gegenbeweis antreten. Gerechtigkeit bedeutet unter anderem maximale Freiheit für den Einzelnen. Freiheit für den Einzelnen bedeutet wiederum, dass jedem Menschen das Recht zusteht, sein Leben zu verteidigen. Leben an sich, ist ein Wert, zu dem man als Atheist stehen kann, und ich stehe zu diesem Wert. Ich möchte hier die These aufführen, dass Josef Ratzinger und George W. Bush die beiden Menschen der letzten Dekade sind, die seit ihrem Amtsantritt die größten Ursachen des Tötens von Menschen durch Menschen sind; George W. Bush mit einem Krieg und einem Sicherheitsprogramm, dass längst mehr seiner Landsleute getötet hat, als bei dem auslösenden Anschlag ums Leben kamen, man denke an die Söldnerheere, deren Existenz auch nicht Legitimationsfähig ist und an die Toten der sogenannten Schattenarmee; Und Ratzinger ganz indirekt, aber viel effizienter durch die Politik seine Gläubigen dazu aufzufordern, keine Kondome zu benutzen. Die Statistiken der Aidstoten in den armen Ländern der Erde sind ja hinlänglich bekannt.
Es wäre fast schon amüsant, wären nicht soviele Tote damit verknüpft, wie Ratzinger sich dann doch selbst ein Bein in seiner Rede stellt, wenn er davon spricht, dass Amerikas Streben nach Freiheit stets von der Überzeugung geleitet sei, dass „die Prinzipien, die das soziale und politische Leben regeln, eng mit einer moralischen Ordnung verbunden sind, die auf der Herrschaft des Schöpfergottes basiert“. Glaubt er denn wirklich, dass die Welt mit Waffengewalt befriedet werden kann? Er scheint es zumindest zu akzeptieren, denn die frühere Differenz bezüglich des Umgangs mit dem Irak zwischen Washington und dem Vatikan wurde totgeschwiegen. Totgeschwiegen ist ein gutes Stichwort, denn Unterlassungen sind ja bekanntlich auch Handlungen und ich denke, dass man einer heraufziehenden weltweiten Nahrungsmittelkrise doch zumindest ein, zwei Worte hätte widmen können. Oder gibt die Kirche jetzt auch noch ihren diakonistischen Nutzen auf? Und wird die Säkularisierung hier nicht auch totgeschwiegen? Wie dem auch sei, Ratzinger gibt auf jeden Fall den durchaus verständlichen Wunsch nach Weltfrieden preis, wie naiv auch immer dieser ist. Sein Schöpfergott und dessen Herrschaft stehen diesem Wunsch jedoch entgegen. Denn wenn ein Atheist wie ich nicht zu einer gerechteren Welt beitragen könnte, könnte ich nicht in Würde leben, also bin entweder ich oder er ein Sicherheitsrisiko, da wir ja nicht beide für dasselbe kämpfen können, wenn wir gegeneinander streiten. Use Condoms!

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